Die armenischen Parteien und das Jungtürkische Komitee für Einheit und Fortschritt

Ohne eine Kenntnis der Vorgeschichte des Verbrechens, dem 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen, erscheint das, was sich ab 1915 im Osmanischen Reich ereignete, vielleicht wie eine unvorhersehbare, unabwendbare „Katastrophe“. Politisch motivierte Verbrechen werden aber von politischen Kräften vorbereitet und durchgeführt. Weder das Komitee für Einheit und Fortschritt (Ittihat ve Terakki Cemiyeti) im Osmanischen Reich, noch später die Nationalsozialisten in Deutschland haben ihre Absichten gegenüber den ethnischen, religiösen und politischen Gruppen, die sie als ihre Feinde betrachteten, verborgen gehalten. Bereits bevor sie an die Macht gelangten, haben sie in ihren Publikationen und Erklärungen die Grundzüge ihrer Politik offen zum Ausdruck gebracht. Um zu verstehen, wie es Völkermord im Osmanischen Reich kommen konnte, muss vor allem die politische Entwicklung nach der „jungtürkischen Revolution“ von 1908 näher betrachtet werden.

Weiterlesen …

Die deutsch-türkische Politik im Kaukasus und der 28. Mai 1918

Am 28. Mai 1918 wurde die erste Armenische Republik gegründet. Drei Jahre nach Beginn des Genozids im Osmanischen Reich entstand im letzten Kriegsjahr auf einem kleinen Teil Ost-Armeniens ein armenischer Staat. Viele bringen die Gründung der 1. Republik mit der Schlacht von Sardarabad in Verbindung. Die Unabhängigkeit Armeniens erscheint in diesem Zusammenhang wie das Ergebnis eines verzweifelten, heroischen Abwehrkampfes gegen die vorrückenden türkischen Armeen. Vor allem die von der ARF Daschnakzutiun diktierte Geschichtsschreibung ist bemüht, die Gründung der Republik des 28. Mai als ein Verdienst der Partei darzustellen.

Weiterlesen …

Hexenjagt

Richard G. Hovannisian ist Professor an der renommierten University of California, Los Angeles. Als Autor umfangreicher wissenschaftlicher Werke zur Geschichte Armeniens, des Genozids an den Armeniern und vor allem zur Geschichte der Republik Armenien in den Jahren 1918-20, genießt er weltweit einen hervorragenden Ruf. Prof. Hovannisian ist zudem der Gründer der „Society for Armenian Studies“ und Mitglied in mehreren Vorständen wissenschaftlicher Institutionen und Verbänden wie „Facing History an Ourselves Foundation“, „The International Institute on the Holocaust and Genocide“, „Foundation for Research on Armenian Architecture“ und dem “Armenian National Institute“. Ferner ist er Mitglied der Redaktionen der Zeitschriften „Armenian Review“, „Ararat“, „Human Rights Review“, „Journal for the Society for Armenian Studies“ und „Mitk“. Vom Katholikos Karekin I wurde Prof. Hovannisian mit dem St. Mesrop Mashtots Orden ausgezeichnet. Die Liste der Ehrungen und Auszeichnungen für Prof. Hovannisian ist lang: Die Akademie der Wissenschaften Armeniens ernannte ihn 1994 als ersten im Ausland lebenden Armenier zu seinem Mitglied. Von der Staatsuniversität Yerevan erhielt er 1994 den Ehrendoktortitel. Die Staatsuniversität von Artsakh verlieh ihm drei Jahre später ebenfalls einen Ehrendoktortitel. Vom Präsidenten der Republik Artsakh erhielt er 2002 den „Mesrop Mashtots“ Orden. Wer würde glauben, dass der Vater des ehemaligen armenischen Außenministers Raffi Hovannisian nun zur Zielscheibe einer Diffamierungskampagne geworden ist, die sich „Gegen die Fälschung der armenischen Geschichte“ nennt?

Weiterlesen …

Die anti-armenische Politik der Türkei im Süd-Kaukasus 1918-2008

Bei der Diskussion um eine Lösung des Konflikts um Berg-Karabach wird meistens übersehen, dass die Türkei im Hintergrund einen großen Einfluss auf die Politik der Regierung in Baku ausübt. Ein Blick auf die Geschichte des Süd-Kaukasus in den Jahren des 1. Weltkriegs zeigt, dass die heutige Türkei dort mehr oder weniger die anti-armenische Politik fortsetzt, die bereits die damalige jungtürkische Regierung betrieben hat.

Mit dem türkischen Vormarsch in Süd-Kaukasien im Sommer 1918 waren die Armenier im Süd-Kaukasus derselben Vernichtungspolitik ausgesetzt, wie zuvor die Armenier im Osmanischen Reich. Der georgische Exilpolitiker Matschabelli, berichtete am 10. April 1918 an das deutsche Auswärtige Amt, die Türkei hätte „fest beschlossen, mit Hilfe der mohammedanischen Stämme des Kaukasus diese Nation auszurotten“. Auch der bayrische General von Lossow, ein glühender Vertreter des deutschen Imperialismus und Zeuge der türkischen Expansionspolitik im Kaukasus, schrieb, dass diese darauf gerichtet sei, „die Kaukasusländer auszusaugen und die Armenier auszurotten“. Die türkischen Truppen, die damals bis nach Baku vordrangen, verübten dort gemeinsam mit ihren aserbaidschanischen Verbündeten ein schreckliches Massaker unter der armenischen Bevölkerung.

Weiterlesen …